Bauleitplanverfahren, Altkraftwerk und Ammoniaklagerung auf der Tagesordnung des Kraftwerksforums Datteln

Datteln, 22. Juli 2011. Am Donnerstag haben sich die Mitglieder des Kraftwerksforums Datteln getroffen, um über den Stand des Bauleitplanverfahrens und die Gutachten zur Aufstellung eines neuen vorhabenbezogenen Bebauungsplans zu diskutieren. Forumsmitglied Karl-Heinz Marscheider erklärte die Entwicklungen aus Sicht der Stadt Datteln. Der Weiterbetrieb des Altkraftwerks Datteln 1 bis 3 und die Alternativen zur Ammoniaklagerung standen ebenfalls auf der Tagesordnung. Zum Thema Ammoniak berichtete Dr. Stephan Wegerich, technischer Projektleiter des Kraftwerksneubaus Datteln 4.

„Zur Zeit befassen wir uns mit der Erarbeitung unserer Stellungnahme zur 7. Änderung des Regionalplans“, sagte Marscheider am Donnerstag im Forum. Der geänderte Regionalplan wird vom 1. August an für drei Monate öffentlich unter anderem in der Stadtverwaltung Datteln ausgelegt. Auch eine Bürgerinformationsveranstaltung ist für August geplant. Des Weiteren arbeitet die Stadt zurzeit am Abstimmungsprozess in Sachen vorhabenbezogener Bebauungsplan gemäß des Paragraphen 12 des Baugesetzbuchs. Dabei werden Varianten zu den einzelnen Anlagenbestandteilen des Kraftwerks nach den jeweiligen städtebaulich relevanten Auswirkungen – zum Beispiel in Hinsicht auf Luftqualität, Verschattung oder Landschaftsbild – geprüft und mit Hilfe von Basisexpertisen miteinander verglichen. Neben diesen so genannten Basisexpertisen werden außerdem Fach- und Rechtsgutachten erstellt. Die Qualität der Gutachten steht dabei im Vordergrund. „Nur wenige Büros können diese umfangreichen und qualitativ anspruchsvollen Aufgaben erfüllen“, sagte E.ON-Gesamtprojektleiter Dr. Andreas Willeke. Forumsmitglied Petra Weiß von der Stadt Datteln erklärte, dass alle Gutachten von der Stadt zusätzlich durch eigens beauftragte Experten qualitätsgesichert würden.

Können die Blöcke 1 bis 3 des Altkraftwerks Datteln weiterbetrieben werden? 2006 hatte E.ON im Zuge der Neubauplanungen eine Stilllegungserklärung für die drei Blöcke unterzeichnet, 2010 wurde diese Erklärung widerrufen. Da sich die Inbetriebnahme des neuen Blocks 4 verzögert, sei nur so eine Sicherstellung der Fernwärmeversorgung und der Stromversorgung der Bahn möglich. Die Altanlagen wurden 2010 von E.ON nachgerüstet, um die neuen, schärferen Grenzwerte nach Bundes-Immissionsschutzverordnung einzuhalten. Die Bezirksregierung Münster (BRM) lehnte – auf Weisung des Umweltministeriums – den Weiterbetrieb der drei Blöcke jedoch ab. E.ON hat deshalb am 20. Juli Klage gegen den ablehnenden Bescheid der BRM beim Oberverwaltungsgericht Münster eingereicht.

„Bei der Verbrennung von Kohle entstehen Stickoxide, für die es strenge gesetzliche Grenzwerte gibt“, sagte Wegerich am Donnerstag. Im ersten Rauchgasreinigungsschritt, der Rauchgasentstickung, werden mit Hilfe von Ammoniak die Stickoxid-Emissionen reduziert. In der Entstickungsanlage wandeln Katalysatoren die Stickoxide mit Hilfe von Ammoniak in umweltneutrales Wasser und Stickstoff um. Stickstoff ist als natürlicher Bestandteil zu 79 Prozent in der Luft enthalten. Bisher habe man mit druckverflüssigtem Ammoniak geplant. Eine weitere Alternative sei, Ammoniak in wässriger Lösung bereit zu stellen. Die Wirkung hinsichtlich der Reduzierung der Stickoxide sei bei beiden Versionen gleich. Für Datteln 4 werden beide Alternativen geprüft, die Entscheidung trifft die Stadt.